Es ist ein Datum, das sich tief in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt hat: Ende April 1942 wurden 791 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus über 50 Kommunen in ein Sammellager nach Dortmund verschleppt, um von dort in die Vernichtungslager deportiert zu werden. Am Sonntag, den 26. April, kam die Stadtgesellschaft am Mahnmal an der Ruhrallee zusammen, um der Opfer zu gedenken.
Ein Mahnmal als Ort der Mahnung
Pünktlich um 12:00 Uhr versammelten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter des öffentlichen Lebens auf dem Gelände an der Eintrachtstraße. Dort, wo sich einst die Turnhalle des Sportvereins Eintracht Dortmund befand, die als Sammellager zweckentfremdet wurde, herrschte eine Atmosphäre der stillen Anteilnahme.
Die Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde, die gemeinsam mit der St. Bonifatius-Gemeinde, der SELK und Repräsentanten des Stadtbezirks eingeladen hatte, betonte die bleibende Verantwortung für die Geschichte: „Unser jährliches Erinnern ist mehr als eine Zeremonie; es ist ein notwendiger Beitrag zu unserer heutigen Demokratie und ein deutliches Signal gegen Menschenfeindlichkeit.“
Erinnerung an den Leidensweg
In den Redebeiträgen wurde der grauenvolle Ablauf der Tage im April 1942 rekonstruiert. Man erinnerte an die Ankunft der Betroffenen am 28. April im Sammellager und die anschließende Bewachung durch Staats- und Schutzpolizei bis zur endgültigen Deportation vom nahegelegenen Südbahnhof am 30. April.
Das Schicksal der 791 Menschen, die in den Lagern Bel?ec und Sobibor ermordet wurden, stand im Zentrum des Gedenkens. Es wurde deutlich, dass dieses „schmerzhafte Erinnern“ wichtig ist, um das Bewusstsein für das Unrecht des Nationalsozialismus wachzuhalten und die Werte unserer heutigen Gesellschaft aktiv zu schützen.
Ein Zeichen der Verbundenheit
Die ökumenische Breite der Veranstaltung unterstrich, dass das Gedenken von vielen Schultern getragen wird. Mit dem gemeinsamen Innehalten am Mahnmal setzten die Teilnehmer ein kraftvolles Zeichen für Mitgefühl und gegen das Vergessen.
Für die musikalische Begleitung der Veranstaltung sorgte das Orchester der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde unter der Leitung von Martin Schlömer.

